Die Schwarzföhre, ein besonderer Schatz des Waldes.

2. August 2019 0 By Robert Rendl
Die Schwarzföhre, ein besonderer Schatz des Waldes.

In diesem Beitrag stelle ich Ihnen einen wertvollen Schatz aus unseren heimischen Wäldern vor. Diese faszinierende Baumart dient mir im schönen Piestingtal als Lieferant für das hochwertige Baumharz, aus welchem ich meine Pechprodukte herstelle. Tauchen Sie mit mir in die Schatzkiste Wald ein, lernen Sie seine Schätze kennen, und blicken Sie mir bei meinem fast ausgestorbenen Handwerk über die Schulter.

Die Schwarzföhre, das goldene Pech aus unseren heimischen Wäldern

Die Schwarzföhre (Pinus nigra – Schwarzkiefer) war und ist noch immer der wichtigste Nutzungsbaum für die Pecherei. Sie ist von allen europäischen Nadelhölzern der mit Abstand harzreichste Baum, und wurde schon von den Römern zur Harzgewinnung verwendet. Was die Schwarzföhre für die Pecherei so besonders macht, ist, dass man bei einem Baum über 40 Jahre arbeiten darf und der Baum trotzdem weiter lebt! Da ist eine gewisse Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber der Schwarzföhre ganz wichtig!
Die Schwarzföhre kann ein Alter von bis zu 800 Jahren erreichen. Mit einem Wachstumsalter zwischen 90 bis 120 Jahren, also nach unserem Maßstab als junger Teenager, befindet sich eine Schwarzföhre im günstigsten Alter zur Harzgewinnung.

Das Harz der Schwarzföhre ist besonders hochwertig. Wegen ihres hohen Harzgehaltes spielte und spielt sie eine wichtige Rolle in der Pecherei. Vor allem aber in der Terpentin-Gewinnung, bei welcher das Harz der Schwarzföhre destilliert wird, bevor es durch fossile und künstliche Alternativen ersetzt wurde.

Als Nebenprodukt der Destillation entsteht Kolophonium, welches noch immer eine große und alternativlose Rolle in einigen Bereichen der Elektronik (Lötfähige Leiterplatinen), beim Tiefdruck (Aquatinta), sowie bei der Herstellung des sogenannten “Bogenharzes”, aber ganze besonders bei der Herstellung von Wachspapier, spielt.

Zur Blütezeit der Pecherei verhalf die Schwarzföhre so dem Piestingtal zu bescheidenem Wohlstand. Viele Familien sicherten sich ihren Lebensunterhalt durch die Pecherei.

Schwarzföhre Pechen Vorarbeit
Hier bereite ich eine Schwarzföhre vor um sie zu “ernten” (Pechen)


Das Holz der Schwarzföhre wird ebenfalls vielfach genutzt. Da es nicht knarrt, wird es unter anderem gerne zu Bühnenböden verarbeitet, oder auch als Bauholz verwendet. In früheren Zeiten wurden die gerade gewachsenen Stämme der Schwarzföhre auch im Schiffbau als Masten verwendet. Durch ihren natürlich hohen Harzgehalt waren und sind solche Masten gegen Seewasser besser geschützt als Masten welche aus anderen Bäumen gefertigt wurden. Man kann getrost sagen, die Schwarzföhre hat ihren Teil bei der Erkundung der Welt eine (Segel)tragende Rolle gespielt. Eine ganz besondere Stadt ist sogar fast komplett auf der Schwarzföhre erbaut, Venedig trotzt dem Meerwasser dank seines widerstandsfähigen Fundaments aus Stämmen der Schwarzföhre.

Das Aussehen und Arterkennung der Schwarzföhre

Die Schwarzföhre (Pinus nigra), auch Schwarzkiefer genannt, ist eine zweinadelige Pflanzenart aus der Gattung der Kiefern (Pinus) in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Man kann die Art auf Grund der schwarz gefärbten, verdeckten Teile der Zapfenschuppen leicht von anderen südeuropäischen Kiefernarten unterscheiden. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet gilt die Schwarzföhre auch als sehr krankheitsresistent. Sie wird aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit an Boden und Wasserversorgung und ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Luftverschmutzung fast weltweit als Forst- und Parkbaum angepflanzt.

Die Schwarzkiefer wächst als aufrechter, meist geradschäftiger Baum, der je nach Art Wuchshöhen zwischen 20 und 50 Metern erreichen kann. Der Stamm kann in Brusthöhe einen Durchmesser von bis zu 1,85 Metern erreichen. Die Wuchshöhe und die Kronenform variieren je nach Unterart und Standort..

Man findet die Schwarzföhre (Pinus nigra) in Höhenlagen von 0 bis zu 2.000 Metern. Bezüglich der Wasserversorgung gehört die Schwarzkiefer zu den anspruchslosesten Baumarten, die Schwarzföhre wächst sowohl auf lockeren sandigen sowie auf schweren tonigen, kalk- oder silikatreichen und damit basischen oder sauren Böden. Wobei sich auch hier die einzelnen Unterarten unterscheiden können.

Die Schwarzföhre wird heute in fünf Unterarten geteilt:

  • Die Korsische Schwarzkiefer (Pinus nigra subsp. laricio) kommt in Kalabrien sowie auf Korsika und Sizilien vor.
  • Die Pinus nigra subsp. mauretanica kommt in Algerien und Marokko vor.
  • Die Österreichische Schwarzkiefer (Pinus nigra subsp. nigra) kommt in Österreich und auf der Balkan Halbinsel vor.
  • Die Krim Kiefer oder Taurische Kiefer (Pinus nigra subsp. pallasiana) kommt in Teilen der Balkan-Halbinsel sowie auf der Krim Halbinsel, in der Türkei und auf Zypern vor.
  • Die Pyrenäen Kiefer (Pinus nigra subsp. salzmannii) kommt in Frankreich und Spanien vor.

Nach Euro+Med ist die Pinus nigra subsp. mauretanica ein Synonym von Pinus nigra subsp. salzmannii. Dafür wird zusätzlich folgende Unterart unterschieden:

  • Pinus nigra subsp. dalmatica: Sie kommt in Kroatien vor.

Die Schwarzföhre, ein Baum als Weltenbummler

In Niederösterreich ist die Schwarzföhre (Pinus nigra) der vorherrschende Nadelbaum.
Ursprünglich stammt die Schwarzföhre allerdings aus den Mittelmeerländern Südeuropas, Kleinasiens und des westlichen Nordafrikas, wo sich die einzelnen Unterarten an die jeweiligen Wachstumsbedingungen angepasst haben. Sie kommt aber jetzt bis in Teile Österreichs, und sogar stellenweise in Deutschen Gebieten zur Wiederbewaldung einstiger, trockenen Weidegründen vor. Nachdem Europa beinahe abgeholzt war, konnte sich beim Wiederaufforsten die Schwarzföhre durch ihre Genügsamkeit und Anpassungsfähigkeit vielerorts durchsetzen.

Die nördliche Verbreitungsgrenze der Schwarzföhre verläuft durch Österreich (da hier größere Flächen genutzt werden als die Gebiete in Deutschland). Der Baum wird von Beständen, die zwischen Gutenstein, Hohenberg und der Thermenlinie liegen, sowie von Einzelbeständen in Krems an der Donau, an den Westhängen des Rosaliengebirges, am Türkensturz sowie bei Unterkohlstätten in Niederösterreich und dem Burgenland gebildet. Außerdem befindet sich in den Karawanken Südkärntens ein weiteres österreichisches Vorkommen.
Im Osten gelten die Türkei und Zypern als Verbreitungsgrenze, im südlichen Europa, Teilen des nördlichen Afrikas und in Kleinasien liegt das stark zersplitterte, südliche Verbreitungsgebiet der Schwarzkiefer. Der westliche Raum der Verbreitung wird durch Spanien und Marokko gekennzeichnet.

Die Schwarzföhre wird als Forst- und Parkbaum auf fast allen Erdteilen angepflanzt. 1759 wurde sie erstmals in die späteren Vereinigten Staaten (USA) gebracht. Sie war damit eine der ersten Baumarten, die in die USA eingeführt wurden.

Die Schwarzföhre gehört zu den bedeutensten Bäumen in unserer Geschichte, und sie hat den Globus mit geprägt wie kaum ein anderer Baum. Ich hoffe ich konnte Ihnen einen spannenden und unterhaltenden Einblick in mein Handwerk verschaffen und Ihnen einen wundervollen Naturschatz näherbringen.
Wenn Sie mehr über die Geschichte der Wr. Neustädter Wälder erfahren möchten, empfehle ich Ihnen das Buch “Der große Wiener Neustädter Föhrenwald und seine wechselvolle Vergangenheit” von Dipl. Ing. Dr. Herbert Kohlross, welches Sie auch in meinem Onlineshop erwerben können.