Pechbalsam im Laufe der Geschichte

In diesem Beitrag widme ich mich der Geschichte eines meiner wichtigsten Produkte, der des Pechbalsam. Gegenwärtig gilt das Handwerk des Pechers als beinahe ausgestorben. Nur wenige gewinnen heutzutage noch eine der wichtigsten Natur-Ressourcen, welche unsere Geschichte schon tausende Jahre begleitet. Eine der wichtigsten ist ein von Pecher zu Pecher weitergegebenes Familiengeheimnis, der Pechbalsam. Begeben wir uns also auf eine Reise durch Raum und Zeit und beleuchten wir eins unserer faszinierendsten Produkte, den Pechbalsam, oder wie er in der Vergangenheit umgangssprachlich genannt wurde: Wie die Pechsalbe die Menschheit begleitete.

Pechbalsam und seine historische Vergangenheit

Der Pechbalsam hat eine unglaublich antike Vorgeschichte.
Das heute gebräuchliche Wort “Pech” wurde aus dem Althochdeutschen “Peh” abgeleitet, die Geschichte des Pechbalsams beginnt in der frühen Antike, wo schon die alten Griechen und Römer auf die Nutzung des Pech (auch Harz genannt) von unterschiedlichen Nadelbäumen zugriffen, um es für ihre vielfältigsten Güter zu verwenden.
So wurde das Pech der Nadelbäume von sich spezialisierenden Handwerkern (woraus mit der Zeit der Beruf des Pechers hervorging) regelmäßig gesammelt, um das gewonnene Pech (Harz) weiter zu verarbeiten. Im Laufe der Jahrhunderte fanden die Vorgehensweisen und die Verarbeitung ihren Weg in so ziehmlich jede Ecke von Europa.

Im Österreich des 12. Jahrhunderts kannte man dann ebenfalls die Verwendung von Harz. Hierzulande wurde es zum Beispiel auch als Hustenmittel und bei Nieren-Blasen-Leiden als Medizin verwendet.
Nach Einzug der Verarbeitungs,- und Verwendungszwecke von Pech in Österreich, haben sich auch bei uns die Pecher entwickelt. Diese Handwerker Übernahmen die “Erntemethoden” von Harz aus dem Mittelmeerraum und begannen hier, die häufig vorkommende Schwarzföhre, zu ernten.

Zeugen des Handwerks, veterane Pech-Lieferanten in heimischen Wäldern

Wenn man in der heutigen Zeit mal einen Spaziergang durch unsere heimischen Wälder in Bereichen rund um den Wiener Wald macht, so kann es durchaus passieren, dass man an einem Nadelbaum vorbei läuft, der zum Beispiel derartig V-förmige Einkerbungen aufweist. Sollte dies einmal der Fall sein, so kann man sicher sein, das es sich hierbei mit großer Warscheinlichkeit um einen Baum aus dem Bestand eines Pechers handelt der hier seinen Arbeitsplatz hat, wo der gesichtete Baum zugehört.

Das gewonnene Harz wurde weiter verarbeitet und in unterschiedliche, täglich gebräuchliche Endprodukte verwandelt. Jeder Pecherhaushalt stellte früher eine “Pechsalbe” genauso selbst her, wie auch eine, aus und mit Harz, zubereitete Haushaltsseife. Ausserdem waren sogenannte Harzpflaster ein gefragtes Rheumamittel. Dieses wurde, genauso wie alle Produkte die noch heute aus Pech gefertigt werden, aus der antiken Vergangenheit nach überlieferten Rezepturen übernommen. Das eine oder andere Rezept dürfte dabei wohl ein paar wenige Anpassungen an die örtlichkeiten Rohstoffvorkommen (andere Nadelbäume evtl.) erfahren haben. Diese hergestellten Produkte wurden in handliche, oft wiederverschließbare Behälter gefüllt, in denen die Waren dann letztendlich auch verschickt (Handel mit anderen Ortschaften und Ländern), verkauft und/oder gehandelt wurden. Die verwendeten Behältnisse wurde häufig wiederverwendet, da selbst die Fertigung solcher Behältnisse (z.B. Tiegel und Amphoren aus Ton und später auch Glas für Cremes und Öle) zeitaufwändig und sie deshalb auch wertvoll waren.

Wenn die Haut Pech hat,…

…., geht es ihr gut.
Ein Hauptverwendungszweck kam dem Rohstoff Pech schon in der damaligen Zeit in der Herstellung von Pechsalben, Zugsalben aber auch Ölen und Badezusätzen zu.
Genau gesagt: Das Pech wurde am Anfang zumeist im Bereich der Herstellung von Pflege- und Schönheitsprodukten und als Medizin benutzt, heute darf der Begriff “Pechsalbe”natürlich nicht mehr so einfach benutzt werden. Irgendwann wurde die altbekannte Pechsalbe umbenannt zum heutigen Pechbalsam. Da es sich wie auch damals schon hauptsächlich um ein Pflegeprodukt handelt.
Die Waren der Pecher wurden damals für eine Vielzahl von anfälligen Bereichen verwendet, die nach alten Familienrezept hergestellten Pechsalben zum Beispiel, wurden zur Behandlung von kleinen und größeren oberflächlichen Verletzungen benutzt, um Entzündungen zu verhindern oder zu mildern und um leichte Wundblutungen zu stillen. Man wusste wohl schon von Anfang an, das die ätherischen Inhaltsstoffe zur Desinfizierung und zur unterstützenden Wundheilung beitragen konnten.
Das Harz der Nadelbäume, wie Kiefern, Fichten und Lärchen, wurde gerade durch seine antiseptische und entzündungshemmende Wirkung als eines der begehrtesten Heilmittel der Natur vermarktet. Neben seiner Wirkung bei der Wundheilung wurde Pech, wie das Harz auch genannt wird, ebenfalls als Mittel gegen Gicht, Rheuma oder bei Brustleiden (Husten und/oder anderen Atemwegsbeschwerden) eingesetzt. Die Form der Anwendung erstreckte sich dabei von Salben und Pflastern über Räuchermischungen („heimischer Weihrauch“) und Bäder bis zur direkten Einnahme von Tinkturen.

Die Pechsalbe im Fadenkreuz der Wissenschaft

Die, in der Antike beschriebene, entzündungshemmende Wirkung von Pechsalben aus Fichtenharz konnte von einer Gruppe finnischen Forscher, welche seid dem Jahr 2000 daran arbeitete, sogar wissenschaftlich nachgewiesen werden. Das Forschungsteam bestand aus Spezialisten in den Bereichen Medizin, Mikrobiologie, Mykologie, Chemie, Forstwirtschaft und Technologie, welche Harz als Therapiealternative für Wunden und deren bessere Heilung untersuchten. Angestellte Untersuchungen langzeitlicher Erprobungen zeigten schnell, dass eine ohne Erhitzen und mit modernen Mitteln hergestellte Harzsalbe durchaus antimikrobisch wirksam und vor allem aber sicher war. Genauso wie die ersten Pechsalben der Antike, oder aber auch in ländlichen Gegenden im finnischen Hinterland wo weniger “Zivilisation” vorhanden ist auf Grund der Abgeschiedenheit.

Pechprodukte im Zeitwandel

Als im 12. Jahrhundert das Wissen um die Pechernte und die daraus zu gewinnenden Produkte nach Österreich kamen, verlagerte sich die Nutzung des Pech hauptsächlich auf die Fertigung reiner Pflegeprodukte und verlor einiges von der medizinischen Vielfalt.
Erstaunlicher Weise allerdings waren es tatsächlich nur die medizinischen Posten, die mit der Zeit etwas in Vergessenheit geraten sind aufgrund von neuen medizinischen Fortschritten und deren bevorzugte Verbreitung. Denn die Nutzung des Pechs für z.B. Farben und Lacke zur Haltbarmachung, oder für Dichtmittel blieb auch hierzulande weiter im Gebrauch.
Ich habe mich bei der Herstellung von unserem Pechbalsam für die traditionelle Kleinmanufaktur entschieden, da sie noch am ursprünglichsten, und damit dem Pecherhandwerk der ersten Pechereien am ähnlichsten, geblieben ist.
Für meinen Pechbalsam verwende ich das Pech von Schwarzföhren, die im Wienerwald und umzu am häufigsten vorzufinden sind.
Der heute von mir und auch anderen noch arbeitenden Pechern hergestellte Pechbalsam ist in seiner Verwendung trotz allem erstaunlich vielfältig einsetzbar und ergiebig. Pechbalsam ist, im Bereich der Haut, so abwechslungsreich einsetzbar. Bei Schrunden an den Füßen, rissigen Händen die durch trockene und warme Heizungsluft verursacht werden. Aufgrund der Beschaffenheit der enthaltenen Naturstoffe des Balsams werden feine Risse in der Haut verschlossen und gegen neuerliche Angriffe der äußeren Einflüsse geschützt. Durch die Geschmeidigkeit der von mir verwendeten Inhaltsstoffe resultiert die Ergiebigkeit und mein Pechbalsam ist äusserst sparsam einsetzbar.

Um Cookies und externe Dienste (z.B.: YouTube-Videos oder anonymes Google-Tracking) zu aktivieren bitte unseren Datenschutzrichtlinien zustimmen. Mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Webseite sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Dir das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Du diese Webseite weiterhin nutzt, ohne Deine Cookie-Einstellungen zu ändern, oder unten auf "Akzeptieren" klickst, stimmst Du dem zu.

Schließen