Dank Pech zum Glück gefunden

Das alte Handwerk der Pecherei half mir wieder zurück ins Leben. Von März bis Oktober sammle ich das Pech der Schwarzföhre in den Wäldern des Piesting- und Triestingtales. 

Ein Mann, ein Wald, eine Geschichte

Zuerst als Tischler tätig, wechselte ich später in die Baustoffindustrie und war in der dortigen Verkaufsabteilung für halb Österreich zuständig. Eine gute Bezahlung, ein schickes Firmenauto, die Führungsposition in greifbarer Nähe – diese Vita konnte sich wahrlich sehen lassen. Doch trotz all den erreichten Zielen ging es mir gesundheitlich immer schlechter: Ich spürte einen Druck auf dem Herzen, bekam kaum Luft, hatte kein Gefühl mehr für das eigentlich Wesentliche, für meine Familie. Der beruflichen Karriere und dem drohenden Burn-Out schier entgegengerast, sagte meine Frau eines Tages zu mir:
„Weißt du was? Geh‘ doch einfach einmal in den Wald.“

Gesagt, getan. Und inmitten der Natur brach es aus mir heraus. Dort, in der Stille, hörte ich tief in mich hinein und begann, mich wieder zu spüren. Ich ließ meinen Gefühlen – und auch meinen Tränen freien Lauf. Inmitten der Ruhe des Waldes ging ich meinen Gedanken auf den Grund, und ließ auch das Neue an mich heran. Und manchmal im Leben ist man ganz einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Denn dort, inmitten des Schwarzföhrenwaldes, traf ich eines Tages auf einen der letzten Pecher, der dieses Handwerk die letzten Jahrzehnte, nach dem Niedergang der Pecherei Ende der 60er Jahre Anfang der 70er Jahre, konsequent weiter führte! Wir zwei Männer waren uns auf Anhieb sympathisch, und auch für die Tätigkeit von Bernhard Kaiser begann ich mich mehr und mehr zu interessieren. Bernhard nahm mich mit zu den Schwarzföhren, zeigte mir das Handwerk des Pechers, welches mich von der ersten Sekunde an so sehr faszinierte, sodass ich letztlich selbst damit begann. Was mich aber wirklich fasziniert, ist einfach die Liebe und Wertschätzung zur Natur, und auch immer nur das zu nehmen was man braucht und nicht mehr! Dankbar zu sein was uns uns die Natur schenkt und sie mit Respekt zu behandeln!

Zeit sich neu zu orientieren

Kurzerhand kehrte ich dem alten Berufsleben endgültig den Rücken zu, pachtete mir einige Hektar Wald, las viel in alten Büchern, besuchte noch lebende alte Pecher von damals, recherchierte untriebig und startete mit der Herstellung eines alten Hausmittels: der Pechsalbe (Pechbalsam). Das waren die Anfänge, danach kamen immer mehr Produkte aus dem gewonnenen Harz dazu. Als ich mich dann mit meinen Erzeugnissen eines Tages auf einen Bauernmarkt stellte, wenige Stunden später alles verkauft hatte und die Nachfrage einfach nicht versiegen wollte, wusste ich: Das will ich weiter machen! Ich wollte ja immer den Menschen helfen und auf einmal hab ich meine Berufung gefunden! Denn was gibt es schöneres, als den Menschen mit meiner Leidenschaft in Form von Produkten als Harz zu helfen? Seit einigen Jahren betreibe ich dieses alte Handwerk des Pechers hauptberuflich und bin meines Wissens nach der Einzige in Österreich der heute noch davon lebt!

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen alles Gute, vor allem aber Gesundheit!

Euer Robert Rendl